Casimir OBERFELD

Δ 169899

* 16. 11. 1903  £ódŸ   —   † 24. 1. 1945  Pøelouè

 

 

 

Meldung des Bahnhofsvorstehers der Station Pøelouè
an die erste Abteilung der Staatlichen Eisenbahndirektion über den am 24. Januar 1945 durch den Bahnhof in Pøelouè durchgefahrenen Transport aus Auschwitz.

Während der Evakuierung der KZs aus dem Osten in den Westen im Winter 1945 wurden durch die Station Pøelouè außer mehreren Teil-Transporten auch zwei volle Züge, jeder mit etwa 60 offenen Güterwaggons, geführt. Es war am 24. Januar 1945, der Zug Nr. 90 858, Ankunft in Pøelouc 9:48, Abfahrt um 11:46 und Nr. 6226, Ankunft in Pøelouè um 16:19, Abfahrt um 17:01 Uhr.

Schon der Blick auf den ankommenden Zug war unheimlich. Durch die Kälte starre Häftlinge standen in den Wagen, Köpfe mit berussten Klumpen bedeckt, um wenigstens sich durch eigenen Atem den Kopf zu wärmen. Und wie viel von ihnen in den Wagen lagen konnten, weil sie sich auf den Beinen nicht halten konnten! Die jenigen, die standen, zappelten mit den Beinen, sodass die ganze düstere menschliche Last in Schwingender Bewegung war und einen schauderhaften apokalyptischen Anblick bildete.

In den Rachen der HölleSchon vor der Ankunft des Zuges meldeten die Bahnwächter, dass Leichen der Häftlinge aus dem Zug hinausgeworfen werden. Als der Zug ankam, erblickten wir mit Schrecken, dass Leichen von Häftlingen, die nur in Fetzen angezogen waren bei fast jedem mit Bremse versehnem Wagen in der Bude oder auf dem Steg für den Bremser zusammengelegt wurden. Auβerdem gab es am Ende des Zuges einen offenen Wagen, den die toten Häftlinge weggeschmissen wurden. Der Zustand der lebenden Häftlinge war jämmerlich, beim Frost von -19°C waren die meisten nur in zerfetzten Hosen und Mäntel, und darunter konnte man nur zerfetzte Wäsche erblicken. Das Schuhwerk war löcherig und manche, die den Mut hatten aus dem Wagen herunterzuklettern, waren barfuβ.

Binnen des zweistündigen Aufenthaltes war der Zug von SS-Wachen streng überwacht. Der Zutritt zu dem Zug war nicht gestattet. Trotzdem versuchten die Angestellten und die versammelte Bevölkerung Brot und Lebensmittel, was man hatte oder mitbringen konnte, in die Wagen zu werfen.

Die Häftlinge waren ausgehungert und durstig. Manche versuchten aus dem Wagen herunterzuklettern, schöpften an den Bahnsteigen den schmutzigen Schnee, den sie dann gierig aβen. Wenn die Wache einen solchen Häftling erblickte, wurde er geprügelt. Der SS-Mann schlug den Armen so lange durchaus rücksichtlos, bis es dem Häftling gelungen war wieder in den Wagen hochzuklettern. Die Schläge in die abgemagerten Körper waren sicherlich ganz schwer, es waren harte Schläge in die Knochen zu hören. Die Armen duldenten das Geklopfe ohne Widerstand, wussten, dass die geringste Wehklage den Tod für sie bedeuten konnte.

Während des Aufenthaltes wurden den Häftlingen nichts verabreicht. Die Häftlinge, falls es möglich war, mit ihnen zu sprechen, sagten, dass sie schon sechs Tage zum Essen nichts bekommen hatten.

Der Kommandant des Transports befahl, die an den Bahnkörper ausgeworfenen Leichen aufzusammeln und in den Wagen zu schmeiβen und mit dem Zug abzutransportieren.

Der andere Transport im Zug Nr. 6226:

Das Aussehen des Transports und die gleiche rabiate Behandlung wie bei dem vorherigen Zug. Die SS-Wache war noch schärfer, bewachte den Zug streng und der Kommandant kündigte an, dass jeder, der sich dem Zug nähern würde, erschossen würde. Trotzdem wurden Lebensmittel in den Zug hineingeworfen, so weit es möglich war. Bei diesem Transport wurde ein Häftling vor dem Bahnhofsgebäude vor den Augen des wartenden Publikums erschossen, da er sich aus dem Wagen herunterzuklettern erdreiste, um seinen körperlichen Bedürfnis nachzugehen. Als er aufstand, wurde er von einem SS-Mann mit dem Fusse gestoβen und als er niedergefallen war, wurde er vom Soldat ins Genick geschossen. Die aus diesem Transport ausgeworfenen Leichen wurden nicht gesammelt, sondern wurden entlang der Bahn liegen gelassen. Auf Befehl der Gendarmerie wurden dann die Leichen durch die zuständigen Gemeinden in die Karner in Pøelouè eingebracht, ärztlich beschaut und gemeinsam bestattet. Alle Opfer trugen Spuren der groben Behandlung und  von Schlägen, sie waren voll von Hämatomen, Narben und Deformationen.

An der Eisenbahnstrecke Pøelouè – Øeèany nad Labem fand ein Wächter an der Bahn zwei ausgeworfene Häftlinge, die noch Lebenszeichen zeigten.

Zu ihnen wurde der hiesige Arzt MUDr. Josef Pekaø berufen, den Häftlingen war es schon nicht mehr möglich zu helfen.

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Karte  
Es wurden im Bereichch der Station Pøelouè insgesamt fünf-zehn Leichen gesammelt, von denen sechs mit dem Transport weitergefahren sind.

Unter anderen wurden neun festgestellt:

Ev. Nr.:     F9165, F200531, F200581, F200552,
A
15894, F200863, F493, 169899, 183006.

Zeugen der groben Behandlung waren alle Eisenbahnangestellten im Dienst.

Bahnhofsvorsteher: Venkrbec

SÚA KT OVS, Todesmarsche, Meldungen, Band P (Pøelouè). 5. 11. 1945; amtlich erwiesene Abschrift vom 8. 5. 1946.

Quelle:  Malá, I., Kubátová L. – Pochody smrti, s. 1301 ÷ 132, Praha, NPL 1965.

 

Translated by Bernhard Zimmermann and Véronique Decaux



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